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Tote Aale am Rheinufer

Massenfund toter Aale am Rhein

P R E S S E M I T T E I L U N G

Zwei Personen sammeln Kadaver toter Aale am Rheinufer.

Seit zwei Wochen bietet sich am Rhein von Bonn bis Rees ein erschreckendes Bild: Zahlreiche große, tote Aale werden an den Ufern angespült. Hierbei handelt es sich vor allem um Blankaale, geschlechtsreife Tiere, die sich auf die Wanderung in die Sargassosee begeben haben, um dort abzulaichen.

Dieses Ereignis ist besonders besorgniserregend, da der Europäische Aal eine stark bedrohte Art ist, deren Bestand seit den 80er Jahren massiv eingebrochen ist. Gerade deshalb wird speziell am Rhein jedes Jahr mit großem finanziellem Aufwand für dessen Erhalt gekämpft. 

„Es blutet einem das Herz: Seit Jahren engagieren wir uns mit großem Einsatz für den Erhalt dieser faszinierenden Fischart und haben unzählige junge Glasaale in den Gewässern von NRW ausgewildert. Umso erschütternder ist es, diese sinnlos getöteten Elterntiere zu sehen – Tiere, die für den Fortbestand der ohnehin stark bedrohten Population von unschätzbarem Wert sind.“ (Fabian Gräfe; Geschäftsführer Rheinischer Fischereiverband)

Die gefundenen Aale zeigen deutliche Anzeichen einer mechanischen Einwirkung und sind zum Teil zerstückelt. Als Ursache ist der Kontakt mit den Turbinen oder Rechen von Wasserkraftanlagen sehr wahrscheinlich. Um dies zu belegen, wurden tote Aale von den Mitarbeitenden des Rheinischen Fischereiverbandes und des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung eingesammelt. Die Tiere werden nun wissenschaftlich untersucht, u. a. mittels Röntgenuntersuchungen.  

Bereits seit einigen Jahren werden die Funde von verendeten Aalen in dem grenzüberschreitenden EU-Projekt „Der Rhein verbindet“ dokumentiert (Gestrandete Fische). Das Phänomen von toten Aalen zur Abwanderungszeit ist demnach nicht neu. Die Vielzahl der Aale, die es derzeit betrifft, bringt jedoch eine neue Brisanz mit sich.

Zum Schutz des Aales in NRW wurde im Jahr 2024 ein Projekt zum Monitoring und der Evaluierung der Aalbestände beim Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. ins Leben gerufen, welches aus dem Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds gefördert wird. Dr. Anika Salzmann und Dr. Svenja Storm untersuchen hier mit verschiedensten Methoden und mit Hilfe der Anglerschaft, wie es um den Aalbestand in NRW bestellt ist.

Durch seinen komplexen Lebenszyklus ist der Aal auf frei durchwanderbare Fließgewässer angewiesen. Die jungen Aale, die an den Küsten eintreffen, versuchen als sogenannte Steigaale die Fließgewässer aufzusteigen. Nach acht bis zwölf Jahren im Süßwasser zieht es die Tiere als Blankaale zurück zu ihren Laichgründen in der Sargassosee. Wasserkraftstandorte bedeuten bei der Abwanderung ein erhebliches Gefahrenpotenzial für die bedrohten Tiere. Selbst augenscheinlich unversehrte Aale können innere Verletzungen aufweisen, die nicht direkt tödlich sind, die lange Wanderroute bis in die Karibik aber verhindern, wodurch auch diese Tiere nicht zum Fortbestand der Art beitragen können.

Der Fischereiverband NRW vertritt die Interessen der Angler, die sich nicht nur finanziell, sondern auch durch einen hohen ehrenamtlichen Aufwand für bedrohte Fischarten einsetzen. Die katastrophalen Auswirkungen der Wasserkraft auf aquatische Organismen sind ein untragbarer Zustand und dürfen für die politischen Forderungen nach erneuerbaren Energien nicht hingenommen werden. Eine Anfrage an Umweltminister Oliver Krischer zur Beseitigung der Missstände wird derzeit seitens des Fischereiverbandes NRW gestellt.  


Kontaktpersonen:

Fabian Gräfe, Rheinischer Fischereiverband von 1880 e.V., graefe@rhfv.de

Dr. Svenja Storm, Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V., storm@lfv-westfalen.de



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