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Aktuelles vom Aal


Liebe Aalfreunde,

gerne möchten wir Sie ab heute in regelmäßigen Abständen (quartalsweise) über den Aal und unser großes Schutzprojekt informieren. In der Vergangenheit gab es einen Aal-Newsletter vom LANUV, an den wir gerne anschließen möchten. Zurzeit laufen mehrere EMFAF-finanzierte Projekte. Zum einen führt der LFV ein großes landesweites Monitoring durch, in dem der aktuelle Bestand des Aals erfasst werden soll. Dieses Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und beinhaltet verschiedene Methodiken, über die wir Sie gerne informieren möchten. Immer wieder wird es an verschiedenen Stellen die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit geben. Wir freuen uns auf Ihre Mithilfe!

Junge Aale im Gewässer    

 


Zum anderen hat der LFV im letzten Jahr erstmalig den jährlichen Landesglasaalbesatz durchgeführt. In der vergangenen Woche wurden über 1 Million Glasaale in geeignete Gewässer in NRW besetzt. Die kleinen, nur 0,3 Gramm schweren Glasaale, wurden an der Küste Frankreichs gefangen und innerhalb kürzester Zeit nach Deutschland geliefert. Von der kurzen Dauer vom Fang bis zur Lieferung sowie der frühen Fangperiode versprechen wir uns eine noch bessere Qualität und Gesundheitsstatus der Glasaale. Am Besatztag hat die Firma LimnoPlan zusammen mit zahlreichen Helfern die Tiere in Gewässer der Kulisse 1 besetzt. Dies sind Gewässer, in denen die Aale die besten Chancen auf eine Abwanderung ins Meer haben, da sie die geringste Zahl an Wanderhindernissen aufweisen. Im Vorfeld wurden die Glasaale auf Virenfreiheit untersucht und wurden auch am Besatztag noch einmal auf ihre Vitalität geprüft. Erste Eindrücke des Besatzes haben wir bereits „live“ auf dem LFV-Instagram-Kanal geteilt. Weitere Berichte werden noch folgen.


Monitoring


Um den aktuellen Bestand der verschiedenen Aalstadien zu erfassen, werden unterschiedliche Monitoringmethoden über die nächsten Jahre angewendet. Gerne möchten wir Sie nun und zukünftig informieren, was sich im Projekt bis heute getan hat.


1. Spezialreusen

Ein Fischer leert die Reuse auf einem Boot am Rhein.

Um die Gelbaalbestände des Rheins zu erfassen, verwenden wir Spezialreusen, die von Nebenerwerbsfischern ausgebracht und kontrolliert werden. Jeweils für vier Monaten sollen pro Nebenerwerbsfischer fünf Reusen exponiert und regelmäßig geleert werden. Für die Erfassung auch jüngerer Stadien, weisen die Reusen eine Maschenweite von 4 mm auf. Die Reusen waren bereits vorhanden und wurden durch das LANUV Fachbereich 26 konzipiert und angefertigt. Diese wurden im Mai und Juli an insgesamt 4 Fischer verteilt und waren erfolgreich im Einsatz. Gestellt werden die Reusen in Ufernähe im Hauptstrom des Rheins. Die Standorte befinden sich im Bereich von Xanten bis Emmerich.

2. Schokkerbefischungen

Aalschocker auf dem Rhein

Rudi Hell ist der letzte verbliebene Berufsfischer am Rhein. Im Herbst 2024 erfasste er an 45 Fangtagen Aalfänge hinsichtlich Individuenzahl, Status (Blank- oder Gelbaal), Länge, Gewicht und Fettgehalt. Die Daten werden zur Zeit ausgewertet.

3. Steigaalrinnen

Dr. Svenja Storm neben der Steigaalrinne

Querbauwerke stellen für Steigaale ein Hindernis dar. An diesen Engstellen bietet es sich an, Steigaalrinnen als Kontrollinstrument und zeitgleich als Überwindungshilfe anzubringen. Steigaale, die das Querbauwerk erreichen, können hier nicht weiterziehen und nutzen zwangsläufig die Steigaalrinne zum Passieren. Die Rinne wurde Mitte Mai in der Bocholter Aa am Wehr Rothe Spieker installiert. Maurice Schiewer vom Anholter Angelverein hat die regelmäßigen Kontrollen der Rinne bis Mitte September übernommen und konnte trotz ungünstiger Pegelstände und Starkregenereignisse zwei Steigaale für die Saison nachweisen. Da sich das Wehr direkt an der niederländischen Grenze befindet und die Niederländer in diesem Jahr keine Glasaale im System besetzt haben, kann man bei den beiden Aalen davon ausgehen, dass es sich um einen natürlichen Zuzug aus dem Küstenbereich handelt. Eine tolle Erkenntnis für das Projekt! In diesem Jahr werden wir noch eine weitere Steigaalrinne in Betreib nehmen und sind auch hier gespannt auf die Ergebnisse.

4. Aalkörbe

Ein Aalkorb wird am Gewässerufer vorbereitet.

Insgesamt 40 Aalkörbe wurden landesweit in verschiedenen Fließgewässern installiert. Mit diesen Fanggeräten wurden in den vier Einzugsgebieten (Rhein, Maas, Ems und Weser) über fünf Monate Aale von Anglerinnen und Anglern gefangen und hinsichtlich Länge und Gewicht standardisiert protokolliert. Wir danken allen Teilnehmenden für ihr großes Engagement! 

Die Ergebnisse der ersten Fangsaison werden gerade ausgewertet. Es zeigt sich aber jetzt schon, dass der Fang mittels Aalkörbe eine valide Methodik ist, um den Aalbestand qualitativ zu erfassen. Sobald alle Daten ausgewertet sind, werden wir Ihnen davon berichten.

5. Sonaruntersuchungen

Standort des Sonars während des Lippeprojektes NW-718 in der Lippe bei Wesel (km 3) (links, Blickrichtung flussabwärts), das DIDSON wurde mit einer speziell dafür angefertigten Halterung an einem alten Pegel befestigt (rechts).

In diesem Winter sollten Sonaruntersuchungen in der Lippemündung durchgeführt werden, um abwandernde Aale zu erfassen. Da zu dieser Jahreszeit keine regulären Elektrobefischungen mehr stattfinden, bietet das DIDSON-Monitoring wertvolle Informationen über das Wanderverhalten und den (Blank-)aalbestand der Lippe. Leider hat ein Hochwasser in der Lippe den Pegel, an dem das DIDSON befestigt werden sollte, so stark beschädigt, dass er entfernt werden musste. Zurzeit laufen Gespräche, um einen alternativen Standort in der Lippemündung mit passender Infrastruktur zu finden.

6. Elektrobefischungen

Boot mit Elektrofischern auf dem Fluss

In diesem und im nächsten Jahr werden umfangreiche Elektrobefischungen in der Lippe, Rur, Weser und Ems das Bild zum Aalbestand in den vier Einzugsgebieten ergänzen.

7. Citizen Science

Um ein umfängliches Bild über die Verbreitung des Aals in NRW zu erstellen, sind wir auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Auf unserer Homepage und den sozialen Medien werden wir nun häufiger Umfragen an Sie richten. Bitte beteiligen Sie sich daran!


Die aktuelle Umfrage zur Aalangelei finden Sie unter folgendem Link:
LFV | Aalumfrage

Auch wenn Sie nicht gezielt auf Aal angeln, können uns Ihre Erfahrungen weiterhelfen.

Petri Heil,

Anika Salzmann & Svenja Storm


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